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Helmut Poller:Dakinis und tantrische ErotikFr 5. 10. 2007 abends bis So 7. 10. nachm., Wien 16Der zeitgenössische tibetische Buddhismus, größtenteils von Männern, häufig von Mönchen gesteuert, gilt zu Recht als patriarchalisch und sexuell verkorkst. Erotik ist dort entweder
![]() Simhamukha, die löwenköpfige Dakini Quelle : Himalayan art Übersehen wird dabei, dass die buddhistischen Tantras aus dem alten Indien kommen, wo nicht nur allgemein eine sehr verfeinerte Erotik gefeiert wurde, sondern eine besondere spirituelle Praxis existierte: Verwirklichung des Göttlichen durch Erotik in einen rituellen Kontext. Die alten tantrischen Sankrit-Texte der Buddhisten sprechen eine unverblümte Sprache, im ursprünglichen buddhistischen Tantra gab es so etwas wie "freie Liebe", es gab eine Ebenbürtigkeit der Frauen in spirituellen Dingen, es gab Praktiken der Transformation: Nicht um vom sexuell empfindenden Körper in eine spirituelle unkörperliche Transzendenz zu gelangen, sondern um die Freude und Leidenschaft des körperlichen Liebens ohne jegliche Unterdrückung oder negative Bewertung als Mittel des Pfades einzusetzen. Die 84 Mahasiddhas, Padmasambhava, seine 5 Gefährtinnen und 25 Hauptschüler, die Siddhas der frühen Dzogchen Lehren, all diese frühen Meister, die das buddhistische Tantra entwickelt haben, waren zum weitaus überwiegenden Teil KEINE Mönche, alle diese Meister praktizierten Erotik als Mittel des Pfades. Die Sichtweise im ganzen höheren Tantra (Anuttara Tantra) ist theoretisch frei von rein und unrein, aber praktisch gilt die sexuelle Leidenschaft fälschlicherweise als Erleuchtungshindernis. Auch Praktizierenden, die keine Nonnen oder Mönche sind oder jemals werden wollen, wird nahegelegt, in langen Retreats ganz auf Erotik zu verzichten. Die Praxis der sexuellen Vereinigung (Karmamudra), von der die meisten zeitgenössischen Lamas nach einer Periode des Abstreitens immerhin zugeben, dass sie existiert, wird als extrem geheim und endlos schwierig mystifiziert. So habe ich die Erzählung gehört, dass von 1000 Yogis, welche die Vollendungsphase der tantrischen Meditation praktizieren, nur einer in der Lage wäre, dies mittels der Karmamudra-Praxis zu tun. In Wirklichkeit hängen solche Ideen mit der gesellschaftlichen Macht der Mönche im alten Tibet zusammen, man musste solche Dinge erzählen, um die eigenen Leute beisammen zu halten und sich von den "Laien" abzuheben. (Ich setze Laien in Anführungszeichen, weil das eine westliche Übersetzung ist, auf einer falschen Analogie mit katholischen Bräuchen beruhend. Der katholische Priester unterscheidet sich durch sein Zölibat, welches Voraussetzung seiner Weihe ist, grundlegend vom Laien, aber Vajrayana können alle üben, welche die entsprechenden Einweihungen haben). Dakinis sind weibliche spirituelle Wesen, es gibt verschiedene Klassen und Arten davon, die wir in dem Seminar besprechen werden. Im Vajrayana gibt es die drei tantrischen Zufluchtsobjekte, den Guru, der die Einweihungen und Lehren gibt (bzw. die gesamte Linie der Überlieferung), den Yidam, der die höheren Bewußtseinskräfte (Siddhis) gibt, häufig eine männliche-weibliche Figur in sexueller Vereinigung, und die Dakini, eine meist tanzende fast nackte Göttin. Wofür steht die Dakini? Häufig heißt es, und das ist für die mönchische Diskriminierung nur zu typisch, die Dakini gewährt "die günstigen Umstände", das soll wohl auch heißen, dass sie die Verbindung zur weltlichen Ebene bildet. In Wirklichkeit ist es aber so, dass die Dakini drei wesentliche Dinge vermittelt: Erstens, die sogenannte Vollendungsphase des tantrischen Gottheitenyoga, jene Phase, bei der es um das energetische Innenleben (der Gottheit der Erzeugungsphase) geht, den Zentralkanal und die Chakras, ist stark mit den Dakinis verbunden. Die sechs Yogas von Naropa beispielsweise, ein grundlegender Text zur Vollendungsphase, werden durchwegs so praktiziert, dass man (egal ob Mann oder Frau) sich zunächst als rote Vajrayogini visualisiert, in vielen Systemen ist das die höchste Dakini (im Sambhogakaya-Aspekt, also keine historisch fassbare Figur). Die Dakini initiiert in diese Lehren und öffnet die Knoten und Blockaden im feinstofflichen Energiesystem, das wird auch als die "Praxis der oberen Tore", nämlich der oberen vier (von fünf Chakras des buddhistischen Systems) bezeichnet. Zweitens, zur Vollendungsphase gehört auch die "Praxis des unteren Tors", des sexuellen Chakras, also die Praxis der rituell-meditativen sexuellen Vereinigung. Die Dakini-Praxis soll dazu führen, dass hierfür geeignete weibliche und männliche Übende zusammenfinden, die Energie der Leidenschaft und Liebe körperlich erleben und transformieren, wobei transformieren eben nicht heißt, dass man irgendwann das Sexuelle "nicht mehr braucht", sondern dass die Energie benutzt werden kann. Die Dakini als real exitierende Frau initiiert aber auch (natürlich nach entsprechender Ausbildung) in diese Künste. Es ist seit vielen Jahren in den praktizierenden Kreisen im Westen bekannt, dass es im tantrischen Buddhismus auch erotische Methoden gibt, wirklich gelebt wird es bislang kaum. Das erotisch-therapeutische Tantra, oft abwertend als Neo-Tantra bezeichnet, arbeitet zwar mit den sexuellen Energien, die weitaus meisten Anbieter aus dieser Szenerie haben aber niemals originale tantrische Traditionen länger praktiziert, weder buddhistische, noch hinduistische (letztere sind in ursprünglicher Form eher schwieriger zu erhalten als buddhistische). Über eine aus meiner Perspektive wünschenswerte Kommunikation dieser Richtungen habe ich mich hier geäußert: Erotisch-therapeutisches und buddhistisches Tantra - eine besondere Vereinigung Die Dakinis sind die weiblichen Buddhas, welche Geheimnisse der erotischen Tantras hüten und unter geeigneten Umständen eröffnen. Drittens, die Dakinis geben häufig auch die letzten und höchsten Einweihungen, welche die Systeme der buddhistischen Tantras zu bieten haben, sie entfernen die letzten Schleier dualistischer Konzepte, bzw. durch die Praxis kann man selbst diese Schleier zerstören. Dakinis sind unberechenbar, wendig, auch launisch, sie manifestieren ihre Energie auf unerwarteten Wegen, sie sind kommunikativ, ihre Kommunikation ist aber weniger intellektuell-verbal, sondern mehr intuitiv. Dakinis sind oft schwer faßbar oder dem gewöhnlichem Geist unverständlich, ihr ganzer Ausdruck, wenn es Dakinis sind, die den nondualen Dharma verwirklicht haben, ist eine illusionäre Spieglung der Natur des Geistes, raumhaft, voll Mitgefühl und Leidenschaft, aber auch sehr intelligent und praktisch. ![]() Yeshe Tsogyal, eine Gefährtin von Padmasambhava (also eine historische Figur), in einer roten Erscheinungsform. Gemalt von Rudin Kondo, Nyingma Gruppe Ö. Seminarinhalte:Einführung in das buddhistische Gottheitenyoga.Die Dakini-Symbolik generell, Funktion der verschiedenen Arten von Dakinis, Erklärung und Ausführung einer einfachen Dakini-Praxis mit Visualisation und Mantra und Konzentration der Energie im Zentralkanal. Umgang mit der sexuellen Energie im buddhistischen Tantra, geheimes Opfer, "Anhalten und Umkehr", Karmamudra, psychologische und emotionelle Fragen. Diskussion von Fragen, Hinweise zur persönlichen Praxis, auf Wunsch auch eine Stunde Einzelgespräch (in der Seminargebühr enthalten). Ein Hinweis für Teilnehmerinnen, die schon Erfahrung mit Veranstaltungen des erotisch-therapeutischen Tantra haben: Es finden an diesem Wochende keine Übungen statt, wie sie in solchen Tantra-Seminaren gemacht werden. Die buddhistische tantrische Praxis erfordert zunächst die Übung verschiedener Formen stiller Meditation und Konzentration mit Mantras und Visualisationen, bevor zur Vollendungsphase übergegangen wird, in welcher die Praxis der Vereinigung einen wesentlichen Teil darstellt. Wie ein Übungsplan aussehen kann, der in absehbarer Zeit auf diese Stufe führt, wird im Seminar besprochen. Grundlegend ist die Bodhisattva-Motivation, zum Wohl aller Wesen nach Erleuchtung zu streben. Organisation: Ort: Gablenzgasse 38, 1160 Wien (Nähe U6 Burggasse), rechts oben bei "Porta Vitae" läuten, in den Hof, Außentreppe hinauf. Zeiten: Fr 5. 10., 19.00 pünktlich, Raum ab 18.30 offen, - 22.00 Sa 6. 10., 10.00 - 13.00, 15.00 - 18.00, 18.30 - 21.00 So 7. 10., 10.00 - 13.00, 15.00 - 17.00 Für Seminarteilnehmerinnen, die von auswärts kommen, können kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, bitte bei Anmeldung anfragen. Unterlagen: Nur Praxistext und Bild zur Visualisation, Mitschrift erforderlich, Liste mit Literaturhinweisen und Webquellen wird gegeben. Kostenbeitrag: 120,-, für Paare 100,- pro Person (eine Überweisung 200,-) Frühbucherbonus bei Anmeldung und Überweisung vor 28. 9.: 100,-, für Paare 80,- pro Person (eine Überweisung 160,-) Die Anmeldung wird nur durch Überweisung des Kostenbeitrags gültig (Bestätigung per Mail), sollten einige Tage vor dem Seminar noch Plätze frei sein, kann eine Barzahlung vor Ort vereinbart werden. Kontakt für Anmeldung Zahlungszweck: Dakini-Seminar, Kontoverbindung hier. Durch die Anmeldung werden Stornobedingungen und Haftungsauschluss akzeptiert. Bei der Anmeldung bitte Name, Tel. Nr. und eine gültige E-Mail-Adresse angeben (=Absender der Anmeldung), sowie einige Zeilen über die bisherigen Erfahrungen auf den Gebieten Meditation, Tantra, Yoga und ähnliches. Bitte keinen Lebenslauf, nur um eine Vorstellung von den Vorkenntnissen zu vermitteln. Es sind keine Vorkenntnisse erfoderlich, es ist aber ganz gut, sich ein wenig auf dieser Webseite umzusehen. Weitere Webquellen: Abgesehen von der oben erwähnten Abhandlung zum Thema Erotische-Therapeutisches und buddhistisches Tantra habe ich vor zehn Jahren einen Artikel für eine buddhistische Zeitschrift geschrieben: Sexuelle Praxis im buddhistischen Tantra, das Seminar wird viele Dinge, die in dem Artikel nur angedeutet werden können, näher erläutern. Von John Reynolds (Vajranatha) gibt es drei kurze Abhandlungen zum Thema Dakini: Wisdom Dakinis, passionate and wrathful Kurukulla, The Dakini of Magic and Enchantments Simhamukha, Wrathful Lion-Headed Dakini Zum Thema Erotik im buddhistischen Tantra gibt es eingige Texte von Keith Dowmann, einem Tibetologen und Yogi, eine Einführung in die Mahasiddha Tradition mit einigen Hinweisen über die erotischen Bräuche gibt wieder John Reynolds: The Mahasiddha Tradition. ![]() Khecari, eine buddhistische Dakini, die zum Hevajra-Mandala gehört. Khecari hat historisch und ikonografisch eine Beziehung zum Shakti- und Yoni-Kult der Hindu-Tantras. Alle Bilder auf dieser Seite: Klick=Vergrößerung Zurück zu den Terminen |
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